Positive Entwicklung am Arbeitsmarkt hält an

Die Beschäftigungssituation in Vorarlberg hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Von 2014 bis 2018 hat die Zahl der unselbständig Beschäftigten von 154.000 auf 166.000 (im Jahresdurchschnitt) zugenommen, aktuell sind schon fast 169.000 Menschen in Beschäftigung. Im gleichen Zeitraum ist die Arbeitslosenquote in Vorarlberg von 6,0 auf 5,4 Prozent zurückgegangen und hat damit den niedrigsten Wert seit 15 Jahren erreicht. Ein erfreulicher Aspekt: Die gute Lage am Arbeitsmarkt hat sich verfestigt und dürfte noch länger anhalten. Laut einer aktuellen Prognose wird Vorarlbergs Wirtschaft 2019 um ca. 1,1 Prozent wachsen, damit einher geht ein weiterer leichter Rückgang der Arbeitslosenquote. Zur erfreulichen Entwicklung haben neben guter Konjunktur und hoher Leistungsfähigkeit der Vorarlberger Wirtschaft auch die vielen engagierten Beschäftigungsinitiativen beigetragen, die vom Land und Arbeitsmarktservice Vorarlberg finanziert werden. In den letzten fünf Jahren wurden in Summe 254 Millionen Euro in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen investiert (213 Millionen AMS und gut 41 Millionen Euro Land). Der Fokus lag und liegt dabei auf der Förderung von Jugendlichen, der Verhinderung von Langzeitarbeitslosigkeit sowie der beruflichen Qualifizierung von Menschen mit niedrigem Ausbildungsniveau.

Eine drei Jahre anhaltende Aufschwungphase wird sich 2019 voraussichtlich abschwächen. Aber trotzdem wird sich die stark exportorientierte heimische Wirtschaft dank ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit und durch gute Positionierung auch in wachstumsstärkeren Märkten gut behaupten. Der Bundesländer Überblick der Bank Austria prognostiziert für Vorarlberg heuer ein Wirtschaftswachstum von +1,1 Prozent. Aber die aktuellen Kennzahlen des AMS zeigen nach wie vor hohe Stabilität am Arbeitsmarkt an. So wird für Vorarlberg heuer ein Rückgang der Arbeitslosenquote auf 5,2 Prozent erwartet.

Höherqualifikation und bessere Jobchancen für tausende Menschen

Die Wichtigkeit der engen Zusammenarbeit und gemeinsamen Bemühungen von AMS und Land Vorarlberg zeigt sich wird durch die Teilnehmerzahlen der letzten fünf Jahre an den verschiedenen Beschäftigungsmaßnahmen eindrucksvoll verdeutlicht.

2014:        5.106 Personen

2015:        5.978 Personen

2016:        6.486 Personen

2017:        6.425 Personen

2018:        5.310 Personen

Diese Projekte und Initiativen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass zum einen die Jugendarbeitslosigkeit in Vorarlberg so niedrig wie fast nirgendwo in Europa ist und bleibt und dass zum anderen – gerade in den letzten beiden Jahren – vor allem bei benachteiligten Zielgruppen, für die eine Rückkehr auf den Arbeitsmarkt besonders schwer ist, eine positive Entwicklung zu sehen ist.

  • So ist die Zahl der beim AMS vorgemerkten älteren Arbeitslosen (über 50 Jahre) erstmals zurückgegangen – von 2.950 im Jahr 2017 auf 2.777 im Jahr 2018.
  • Auch bei den Langzeitbeschäftigungslosen ist der Trend positiv. Deren Zahl ist bis 2015 auf fast 2.988 angestiegen, seither sinkt sie kontinuierlich. Aktuell meldet das AMS 2.628 Langzeitarbeitslose.

Millionen-Investitionen und kontinuierlicher Ausbau der Angebote

Auch heuer setzen Land und AMS ihre bewährte Zusammenarbeit fort und stellen zusammen 48,2 Millionen Euro zur Verfügung, um arbeitsmarktpolitische Impulse zu setzen. Davon sind für gemeinsam finanzierte Projekte 20,3 Millionen (14,7 Millionen AMS und 5,6 Millionen Land Vorarlberg) veranschlagt. Weitere 24,8 Millionen werden vom AMS für eigene arbeitsmarktpolitische Aktivitäten wie die Förderung der Beschäftigung, Qualifizierungsprojekte sowie gezielte Unterstützungsangebote eingesetzt. Vom Land Vorarlberg kommen zusätzliche 3,1 Millionen für diverse Projekte hinzu.

Das beschäftigungspolitische Maßnahmenprogramm beinhaltet eine Vielfalt bewährter Aktionen und Projekte und wird dabei laufend weiterentwickelt und erweitert. Jüngstes Beispiel ist das Projekt "Work 1st", das seit Ende April 2019 das Angebot an Integrations- und Beschäftigungsinitiativen für Asylberechtigte und subsidiär Schutzbedürftige in Vorarlberg ergänzt – vorerst auf Grund des Pilotcharakters zeitlich befristet.

Neu: "Work 1st" für schwer vermittelbare Flüchtlinge

"Work 1st" wird von der AQUA Mühle Vorarlberg gGmbH umgesetzt. Ziel ist es, auch Flüchtlinge, die etwa aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse besonders schwer vermittelbar sind, schrittweise in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Projekt zielt in erster Linie auf männliche Asylberechtigte und subsidiär Schutzbedürftige im Alter zwischen 25 und 45 Jahren ab. Die Teilnehmenden werden von der Aqua Mühle nach einer Einarbeitungsphase über ein Integrationsleasing an heimische Unternehmen oder in eine dauerhafte Beschäftigung vermittelt. Sie sollen vordergründig über realitätsnahes Erfahrungslernen und Praxisqualifizierung und weniger über die Vermittlung von theoretischem Input an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Zum "learning by doing" gehört auch ein Sprachtraining "Deutsch am Arbeitsplatz" in Kooperation mit der VHS Götzis, unmittelbar on the job.

"Work 1st" ist in den Bezirken Bregenz und Dornbirn auf eine Laufzeit von zwei Jahren ausgelegt. Finanziert werden 30 Beschäftigungsplätze pro Monat. Dafür werden rund eine Million Euro bereitgestellt. 90 Prozent der Kosten übernimmt das Land Vorarlberg (75 Prozent davon aus dem Vorarlberger Sozialfonds und 25 Prozent aus Landesmitteln) und 10 Prozent werden vom AMS finanziert. Erstmals werden bei einem Projekt "passive" Mittel der Mindestsicherung in "aktive" Mittel der Arbeitsmarktpolitik umgewandelt.

Neu: Stiftung Digital Campus Vorarlberg

Die Stiftung Digital Campus Vorarlberg setzt sich zum Ziel, arbeitssuchende Personen durch entsprechende fachliche Höherqualifizierung für digitale Berufe beim raschen Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Das Land und das AMS unterstützen dabei z.B. Ausbildungen in den Bereichen Programmieren/Coding, Data Warehouse Management, Datenbankentwicklung und IT Projektmanagement

Aktuelle Förderzusagen

Die seit 2009 geführte Produktionsschule Vorarlberg betreut an den Standorten Bregenz, Wolfurt, Feldkirch und Bludenz Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren mit erfüllter Schulpflicht, die weder einen Ausbildungsplatz noch einen Arbeitsplatz haben und über das Potential verfügen, innerhalb eines Jahres auf die erfolgreiche Absolvierung einer Lehre vorbereitet werden zu können. Die Jugendlichen erhalten eine praxisnahe einjährige Ausbildung in den Fachbereichen Metall, Holz, Catering/Gastronomie, Handel, Garten und Umwelt, Bilderrahmen, Fahrradservice, Carwash sowie individuelle Förderung in schulischen und sozialpädagogischen Bereichen. Für Jugendliche ohne Pflichtschulabschluss besteht die Möglichkeit, diesen nachzuholen. Im Jahr 2017 wurden die Plätze der Produktionsschule Vorarlberg von 67 auf 91 Plätze aufgestockt. 37 Kursplätze stehen für das Nachholen des Pflichtschulabschlusses zur Verfügung. Für das laufende Jahr wurde der Integra Vorarlberg gGmbh als Trägerinstitution kürzlich ein Landesbeitrag von rund 650.000 Euro zugesprochen.

Die Landesregierung hat vor kurzem für vier bewährte Maßnahmen, die die Chancen für den Ein- und Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt verbessern, in Summe mehr als 780.000 Euro für das Jahr 2019 bereitgestellt.

Das Ausbildungszentrum Vorarlberg (AZV) mit seinen beiden Standorten in Rankweil und Hohenems, wo Jugendliche, die verstärkte Unterstützung brauchen, die notwendige Starthilfe für eine "Praktikerlehre" erhalten.

Die Arbeitsstiftung 2000 Vorarlberg nimmt Menschen professionell an der Hand, die von Kündigungsmaßnahmen betroffen sind. Innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens sollen sie so rasch wie möglich wieder in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden.

Die Qualifizierungsmaßnahme "Schaffa im Ländle" gibt jungen Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund die Möglichkeit, eine Lehrausbildung mit begleitender Betreuung nachzuholen.

Im Rahmen der Implacement Stiftung Vorarlberg FiT und FiTL (FiT = Frauen in Technik; FiTL = Frauen in Technik Lehre) werden Frauen, die an einer Aus- und Weiterbildung bzw. einer fachlichen Höherqualifizierung in handwerklichen und technischen Berufen interessiert sind nach den Erfordernissen der Wirtschaft ausgebildet und danach von einem Unternehmen in ein sozialversicherungspflichtiges Dienstleistungsverhältnis übernommen.

Perspektiven für die Jugend – Beschäftigungs- und Ausbildungsgarantie bleibt bestehen

Das Potenzial junger Menschen optimal nutzen und ihnen eine zukunftsorientierte Ausbildung und damit eine positive berufliche Perspektive bieten, das ist und bleibt eines der obersten arbeitsmarktpolitischen Ziele. Auf keinen Jugendlichen verzichten, niemanden zurücklassen – dieses politische Bekenntnis gilt weiterhin und kommt am deutlichsten in der Beschäftigungs- und Ausbildungsgarantie des Landes gemeinsam mit dem AMS Vorarlberg zum Ausdruck: Jeder junge Mensch im Alter von 15 bis unter 25 Jahren, der länger als drei Monate ohne Arbeit ist, erhält  innerhalb der nächsten drei Monate ein Beschäftigungs- oder Ausbildungsangebot.

Der Talente-Check gibt jungen Leuten eine wichtige Entscheidungshilfe zur Bildungs- und Berufswahl.  Mit diesem Projekt werden Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Schulstufe aktiv unterstützt, ihren weiteren schulischen oder beruflichen Bildungsweg zu planen. Sämtliche Vorarlberger Mittelschulen und Gymnasien sind beteiligt und es profitieren insgesamt rund 4.000 Schülerinnen und Schüler von diesem Projekt.

Über die Projekte "Albatros" und "Leuchtturm" können jedes Jahr rund 60 junge Menschen einen Pflichtschulabschluss nachholen. So schaffen sie die Basis für den Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Im Rahmen der Projekte "Job House" und "Brücke zur Arbeit" werden Vermittlungshemmnisse von jungen Menschen reduziert, um eine nachhaltige Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Mit der Lehrstellenförderung wird die Einstellung von Personen gefördert, die es nachweislich schwerer haben, eine passende Lehrstelle zu finden. Die Förderung erhalten Unternehmen und Ausbildungseinrichtungen, wenn sie z.B. Mädchen und Frauen in einem Beruf mit geringem Frauenanteil ausbilden, über 18-Jährige eine Lehrstelle anbieten oder  Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 30 Prozent eine Chance auf eine Berufsausbildung geben.

Förderung von langzeitbeschäftigungslosen Personen

Sozialökonomische Unternehmen führen im Auftrag des AMS Beschäftigungsprojekte mit dem Ziel der beruflichen Integration von langzeitarbeitslosen und am Arbeitsmarkt benachteiligten Personen durch. Durch die Bereitstellung von Transitarbeitsplätzen wird die nachhaltige Integration von schwer vermittelbaren Personen in den Arbeitsmarkt gefördert. Durch das zeitlich befristete Beschäftigungsverhältnis wird der Übergang von der Arbeitslosigkeit in den Arbeitsmarkt ermöglicht. Die Trägerorganisationen AQUA Mühle Vorarlberg gGmbH, INTEGRA Vorarlberg gGmbH, Caritas der Diözese Feldkirch, Kaplan Bonetti gGmbH, pro mente Vorarlberg gGmbH und Dornbirner Jugendwerkstätten führen die gemeinsam konzipierten Beschäftigungsprojekte durch. Im Jahr 2019 können insgesamt 631 Personen so ein befristetes Arbeitsverhältnis eingehen.

Eine zentrale Aufgabe des AMS Vorarlberg ist es, am Arbeitsmarkt benachteiligten Menschen eine Chance bzw. eine Perspektive auf eine Anstellung zu geben. Die Eingliederungsbeihilfe ist eine finanzielle Unterstützung, um eine Annäherung zwischen Unternehmen und Arbeitsuchenden zu  ermöglichen. Sie bietet die Möglichkeit, sich über einen bestimmten Zeitraum kennenzulernen, ohne dass die gesamten Personalkosten dafür anfallen. Von der Eingliederungsbeihilfe profitieren neben den Unternehmen vorrangig Wiedereinsteigerinnen sowie Personen, die über 50 Jahre alt oder die über ein Jahr arbeitslos sind – insgesamt mehr als 1.000 Menschen.

Das AMS Vorarlberg bietet mehrere duale Ausbildungsmodelle, die auf die konkreten Anforderungen der Unternehmen hin entwickelt wurden und den Arbeitsuchenden eine praxisnahe Qualifizierung ermöglichen. Dazu zählen unter anderem das Projekt "Chance", die schon genannten Programme "Schaffa im Ländle" und FIT (Frauen in Handwerk und Technik), der "Campus Metalltechnik", die Bauhandwerkerschule sowie das neue Ausbildungsmodul "Digital Campus".  

Flüchtlinge fit für den Arbeitsmarkt machen

Neben dem erwähnten neuen Projekt "Work 1st" gibt es eine Reihe weiterer Projekte mit dem Ziel, asylberechtigte Flüchtlinge fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Um jugendliche Flüchtlinge schrittweise an das für eine Lehrausbildung oder eine weiterführende Schule nötige Bildungsniveau heranzuführen, gibt es das Jugendcollege und das ESF-Projekt "Top for Job". "start2work" ist eine Chance für bleibeberechtigte Flüchtlinge, die 19 Jahre oder älter sind und nur über geringe Deutschkenntnisse verfügen. Das Projekt bietet  heuer 300 anerkannten Flüchtlingen die Chance, den Ausstieg aus der Mindestsicherung zu schaffen. Ziel ist eine nachhaltige, möglichst ausbildungsadäquate Arbeitsintegration.

Mein Job in Vorarlberg bringt mich #weiter

Mit der neuen Offensive "Mein Job in Vorarlberg bringt mich #weiter" wollen AMS und Land Vorarlberg in enger Zusammenarbeit mit der heimischen Wirtschaft allen Menschen eine Chance auf eine Beschäftigung geben, insbesondere jenen, an die bei der Personalsuche oft nicht gedacht wird – z.B. Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Langzeitbeschäftigungslose, Ältere oder Jugendliche ohne Ausbildung.

Arbeit bedeutet Vielfalt. "Mein Job in Vorarlberg" steht für Perspektiven, Freude, Sicherheit, Zukunft, Chancen und vieles mehr.

Das Land Vorarlberg und das Arbeitsmarktservice haben sich mit den gemeinsamen arbeitsmarktpolitischen Aktivitäten zum Ziel gesetzt, die Arbeitslosenquote weiter zu senken .

Text: VLK
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