Der demografische Wandel stellt Österreich vor tiefgreifende Veränderungen. Er verändert das Zusammenleben der Generationen, stellt Arbeitsmarkt und Sozialstaat auf die Probe und wird zu einem entscheidenden Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Standorts. Vor diesem Hintergrund widmete der ÖVP-Parlamentsklub am 9. Juni in Wien den Chancen und Risiken dieser Entwicklung eine umfassende Enquete. Aus Vorarlberg war eine starke Delegation vertreten: die Bundesmandatare Heike Eder, Christine Schwarz-Fuchs, Norbert Sieber und Christoph Thoma sowie Klubobfrau Veronika Marte, Klubdirektor Jochen Weber und Landesgeschäftsführer Dietmar Wetz.
„Der demografische Wandel ist keine ferne Zukunftsfrage, sondern Realität. Er gehört ganz oben auf die politische Tagesordnung“, betonte Klubobfrau Veronika Marte. Der Alterungsprozess der Gesellschaft greift in alle Lebensbereiche ein – vom sozialen Gefüge über Infrastruktur und Arbeitswelt bis hin zu Pensionen, Gesundheits- und Pflegesystemen, öffentlichen Haushalten und innerer Sicherheit.
Initiiert wurde die Enquete von ÖVP-Nationalratsabgeordneter Gudrun Kugler. Bundesrat Sebastian Stark berichtete über die Enquete „Starke Regionen: digital.engagiert.zukunftsorientiert“. Heinz Fassmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, unterstrich in seinem Beitrag, dass Antworten auf den demografischen Wandel nur im Dialog mit älteren Menschen gefunden werden können: Politik müsse mit ihnen gemacht werden, nicht gegen sie. Familienministerin Claudia Plakolm hob die zentrale Rolle von Familien- und Integrationspolitik im Umgang mit den demografischen Herausforderungen hervor.
Die Diskussion machte zentrale Spannungsfelder deutlich: eine schrumpfende und alternde Gesellschaft, eine hohe Lebenserwartung bei gleichzeitig steigenden Anforderungen an medizinische Versorgung und Pflege sowie die Frage, wie die Finanzierung der Pensionen langfristig gesichert werden kann. Einigkeit bestand darin, dass an grundlegenden Reformen im Pensionssystem kein Weg vorbeiführt. Zugleich wurde intensiv diskutiert, ob und unter welchen Rahmenbedingungen Zuwanderung in den Arbeitsmarkt zum „Game-Changer“ werden kann – insbesondere mit Blick auf den Fachkräftemangel.
Eine alternde Gesellschaft verlangt zudem nach einer neuen Infrastrukturpolitik. In wachsenden Räumen geht es um den Ausbau von Wohnraum, öffentlichem Verkehr sowie Gesundheits- und Pflegeangeboten. In alternden Regionen stehen der effiziente Betrieb und die Anpassung bestehender Netze im Vordergrund. Gleichzeitig entstehen neue Märkte – von Gesundheitsleistungen und Pflege über altersgerechte Dienstleistungen bis hin zu Freizeit- und Kulturangeboten für ältere Menschen. Regionen, die rechtzeitig auf diese „Silver Economy“ setzen, können daraus ein eigenständiges Standortprofil entwickeln.
Die Enquete des ÖVP-Parlamentsklubs hat deutlich gemacht: Demografischer Wandel und Standortpolitik sind untrennbar miteinander verbunden. Regionen, die Lebensqualität für alle Generationen in den Mittelpunkt stellen, Talente anziehen und ihre Infrastruktur zukunftsfähig gestalten, sichern ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Dynamik.