Vorarlberg setzt auf Fortschritt und einen eigenständigen Weg, der von Zuversicht, Mut und Kompetenz geprägt ist. In herausfordernden Zeiten übernimmt das Land Verantwortung, um die Lebens- und Arbeitswelt von morgen aktiv zu gestalten.

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Standortgespräche: Mehr Wachstum durch Bürokratieabbau und Investitionen in Forschung und Ausbildung

Veröffentlichunsdatum
22 Jänner, 2026
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LH Wallner, LR Tittler und WKV-Präsident Kopf: „Gerade jetzt sind die richtigen Akzente zur Ankurbelung der heimischen Wirtschaft wichtig“

Nach gut 3 Jahren Rezession lassen sich Anzeichen einer Erholung der österreichischen Wirtschaft erkennen. Erstmals seit Sommer 2022 erhöht sich die Zahl der Neuaufträge der österreichischen Industrie geringfügig. „Diese Bewegung in die richtige Richtung wollen wir von Seiten der öffentlichen Hand kräftig unterstützen“, sagen Landeshauptmann Markus Wallner und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler im gemeinsamen Mediengespräch mit Wirtschaftskammerpräsident Karlheinz Kopf. „Gerade jetzt sind die richtigen Akzente zur Ankurbelung der heimischen Wirtschaft wichtig“, betonen der Landeshauptmann, der Landesrat und der Wirtschaftskammer-Präsident unisono. Der Schwerpunkt liegt bei drei Themenbereichen: Bürokratieabbau, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Ausbildung und Lehre.

Die wirtschaftliche Situation bleibt noch angespannt. Österreich steht 2026 vor einer vorsichtigen Erholung. Der Aufschwung bleibt insgesamt moderat: Wegen struktureller Herausforderungen, schwacher Industriekonjunktur und außenwirtschaftlicher Risiken wird das Wachstum für 2026 voraussichtlich nur unterdurchschnittlich ausfallen. Die Erholung dürfte eher schrittweise und fragil bleiben.

Landeshauptmann Markus Wallner: „Unser Wohlstand basiert auf Leistung, Innovation und starken Betrieben. Doch der internationale Wettbewerb ist härter geworden – Tempo entscheidet mehr denn je. 2026 setzen wir einen klaren Schwerpunkt auf Wirtschaft und Standort. Ziel ist es, Investitionen zu ermöglichen, Bürokratie abzubauen, und Innovation schneller in die Umsetzung zu bringen. Vorarlberg wird nicht warten – Vorarlberg geht voraus. Unsere Betriebe haben das Know-how. Sie brauchen nur die richtigen Rahmenbedingungen.“

„Wir haben weiterhin wirtschaftlich sehr herausfordernde Zeiten. Der Wettbewerb der Regionen zur Sicherung des Wohlstands ist härter geworden, verstärkt durch globale Unsicherheiten und einem Europa, eingeklemmt zwischen Ost und West. Unser wirtschaftspolitischer Fokus muss daher weiterhin einer produktivitätsorientierten Wirtschaftspolitik mit Fokus auf Innovation sowie Weiterbildung und Qualifizierung gelten“, sagt Landesrat Marco Tittler.

„Die aktuellen Perspektiven geben zwar ein wenig Zuversicht, machen aber zugleich deutlich, dass es jetzt entschlossenes gemeinsames Handeln braucht. Land Vorarlberg und Wirtschaftskammer sind gefordert, durch gezielten Abbau von Bürokratie, einer Stärkung von Innovation, eines gezielten und wirtschaftsnahen Fokus auf F&E-Projekten sowie durch Investitionen in Qualifizierung den Standort Vorarlberg nachhaltig abzusichern“, betont WKV-Präsident Karlheinz Kopf.

1. Bürokratie

Zusammenarbeit beim Thema Bürokratieabbau: Beim Thema Bürokratieabbau arbeiten Land und Wirtschaftskammer institutionalisiert zusammen. Es wird eine Verknüpfung geben zwischen der Anlaufstelle für Verwaltungsvereinfachung und Verfahrensbeschleunigung des Landes und der bestehenden Ombudsstelle für Bürokratieabbau der Wirtschaftskammer. Ziel dieser beiden Stellen und ihrer Zusammenarbeit ist es, den Abbau von unnötiger Bürokratie und Überregulierung im Wirkungsbereich des Landes voranzutreiben, indem Einzelfälle geprüft und Verfahren und Abläufe auf Optimierungspotenzial gescannt werden.

Eine politisch zusammengesetzte Steuerungsgruppe der Landesregierung bewertet in regelmäßigen Abständen die vorgeschlagenen Maßnahmen und deren Umsetzung. Präsident Kopf wird zu dieser politischen Steuerungsgruppe beigezogen und die Perspektiven der Wirtschaft einbringen.

Schnelle und effiziente Verfahren

Vorarlberg setzt zukünftig noch mehr auf digitale Prozesse und stellt sicher, dass Daten nur einmal erfasst und nach dem Once-Only-Prinzip bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt werden.

Die Verlässlichkeit behördlicher Entscheidungen wird durch eine weitere Vereinheitlichung der Prozesse und der Spruchpraxis der Bezirkshauptmannschaften erhöht. Es soll insbesondere ein Prozess zur Schwerpunktsetzung bei Betriebsanlagenverfahren bei den Bezirkshauptmannschaften (BH) initiiert werden. Konkret geprüft wird der Aufbau eines landesweit einsetzbaren Sachverständigen-Teams mit ausreichenden Ressourcen, um Verfahrensqualität und Durchlaufzeiten zu verbessern. Teil der Überlegungen sind dabei z.B. frühzeitige Behörden-Betriebe-Dialoge, klare Fristensteuerung und verstärkte Digitalisierung sowie Einsatz neuer Technologien. Das Team der Sachverständigen unterstützt komplexe Fälle, sorgt für einheitliche fachliche Standards und dient als Wissensträger für bewährte Lösungen.

Zudem sollen die Sachverständigen-Fachgebiete größer definiert werden, so dass an den Schnittstellen der Fachgebiete verwandte Themenstellungen mitbegutachtet werden können und so die Zahl der erforderlichen Sachverständigen reduziert werden. Weiters wird die Landesverwaltung neben der praxisnahen Ausbildung von Sachverständigen auch eine spezialisierte Ausbildung für Verhandlungsleiter einführen, in der Verfahrensökonomie einen Schwerpunkt bilden wird.

Gesetzliche Grundlagen

Als Grundlage für effiziente Verfahren braucht es schlanke Gesetze. Im Hinblick darauf sollen insbesondere Raumplanungsgesetz, Baugesetz, Bautechnikverordnung und das Gesetz über Naturschutz und Landwirtschaftsentwicklung novelliert werden. Hierzu initiiert die Landesregierung einen Prozess gemeinsam mit Gemeinden und Wirtschaft zur Novellierung der Gesetze.

Raumplanungsgesetz: Basierend auf den Erfahrungen der Novellen 2019 und 2023 wird ein strukturierter Prozess zur umfassenden Weiterentwicklung des Raumplanungsgesetzes (RPG) eingeleitet. Ziel ist eine spürbare Entlastung der kommunalen Ebene durch eine Reduktion der Regelungsdichte und die Rücknahme landesseitiger Aufsichtspflichten, die gemeinsam mit dem Gemeindeverband sowie weiteren Partnern aus den Gemeinden, der Bevölkerung, Fachplanern, der Wirtschaft und Interessenvertretungen ab Jänner erarbeitet wird. Neben den REP sollen unter anderem auch Themen wie Bestandsregelungen und Sonderwidmungsfragen diskutiert werden. Am Ende des Prozesses steht ein schlankeres, verständlicheres und praxistauglicheres Regelwerk, das Verfahren beschleunigen kann und die Planungssicherheit erhöht, ohne Steuerungsqualität zu verlieren. Ein konkreter Novellierungsvorschlag der Landesregierung ist für das zweite Quartal 2026 vorgesehen.

Ein zentrales Regelwerk im Baurecht ist die Bautechnikverordnung. Sie definiert Mindeststandards, die bei der Neuerrichtung von Gebäuden, Zu- und Umbauten oder bei Sanierungsmaßnahmen einzuhalten sind. Damit ist sie ein wesentliches Steuerungselement zur Gewährleistung hoher Bauqualität sowie hinsichtlich Sicherheitsstandards und – im Hinblick auf die anstehende Umsetzung der Gebäudeeffizienzrichtlinie bzw. die neue OIB 6:2025 – ambitionierter Energieeffizienzziele. Gleichzeitig ermöglicht sie ein gezieltes Abgehen von harmonisierten bautechnischen Regelungen. Bereits mit der letzten Novelle zur Vorarlberger Bautechnikverordnung wurden die Bauvorschriften überarbeitet und zahlreiche nicht zwingend notwendige Bestimmungen gestrichen. Auch bei der gegenständlichen Novellierung geht es darum, den gesetzgeberischen Spielraum hinsichtlich sinnvoller Ausnahmen auszuloten und an jenen Hebeln anzusetzen, die zur weiteren Vereinfachung der Bauvorschriften und deren Verständlichkeit beitragen sowie leistbares Wohnen ermöglichen.

2. Innovation – Forschung & Entwicklung

Produktionsstandort Vorarlberg

Vorarlberg soll als attraktiver Produktionsstandort weiter gestärkt werden, indem die ansässigen Unternehmen bei der Modernisierung und Digitalisierung unterstützt werden. Durch Investitionen in Infrastruktur und Technologie sowie durch Förderung der Fachkräfteausbildung wird die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der regionalen Produktionsbetriebe zudem gestärkt.

Forschungs- und Innovationsstruktur

Wissenschaft und Forschung sind eine wesentliche Grundlage für betriebliche Innovationen. Mit dem Ausbau und der Weiterentwicklung der regionalen F&E-Strukturen an der Fachhochschule Vorarlberg, der Etablierung der Digital Factory Vorarlberg als Joint Venture mit dem Austrian Institute for Technology, der Initiative des Instituts für Textilphysik und Textilchemie im Bereich der Lebensmitteltechnologie sowie der Ansiedelung der Hochschule St.Gallen, wurde in den vergangenen Jahren der Bereich der betriebsnahen Forschung deutlich gestärkt. Stiftungsprofessuren, eine Verstärkung kooperativer Netzwerke sowie der selektive Ausbau universitärer Strukturen ergänzen diese Aktivitäten mit dem Ziel, Technologietransfers in die Wirtschaft bedarfsorientiert zu unterstützen und Innovationen voranzutreiben.

Überbetriebliche Forschung

Eine durchgängige strukturelle Neuausrichtung der überbetrieblichen Forschungsstrukturen (Forschungseinheiten der FH Vorarlberg, Digital Factory und V-Research) ist erforderlich, um die in der Region vorhanden Synergien noch stärker zu nutzen, die Wirkung der eingesetzten Mittel der öffentlichen Hand zu erhöhen und den weiteren Auf- und Ausbau überbetrieblicher Forschungsstrukturen sukzessive voranzutreiben. Dadurch steigt die Leistungsfähigkeit des FTI-Systems nachhaltig. Im Zuge der Neustrukturierung soll auch deren Finanzierung neu aufgestellt werden. Insbesondere sind Maßnahmen von den betroffenen Strukturen einzufordern, um eine Erhöhung der strukturbildenden Förderungen für den Auf- und Ausbau von Forschungskapazitäten zu erreichen.

Für die strategische Ausrichtung der F&E in Vorarlberg wird ein gemeinsamer Auftrag des Landes und der WK an die Wirtschaftsstandortgesellschaft (WISTO) und die Fachhochschule Vorarlberg zur Erarbeitung von strategischen Schwerpunkten und Themen im Bereich der Forschung unter Berücksichtigung insb. der V-Research, der Digital Factory, der Forschungsaktivitäten der FH Vorarlberg, sowie der Aktivität der HSG am Standort Vorarlberg erteilt. Diese Schwerpunktsetzung soll Mitte 2026 präsentiert werden mit dem Ziel, zusätzliche Bundesmittel zu erschließen und strategische

3. Ausbildung & Lehre

Die duale Ausbildung ist ein zentraler Erfolgsfaktor für den Wirtschafts- und Lebensstandort Vorarlberg. Sie sichert qualifizierte Fachkräfte, verbindet praxisnahe Ausbildung mit schulischer Bildung und eröffnet jungen Menschen nachhaltige Karriereperspektiven. Die Lehrlinge von heute sind die dringend benötigten Fachkräfte von morgen. Die hohe Qualität der dualen Ausbildung ist eine Visitenkarte unseres Landes und trägt zu einer vergleichsweise sehr geringen Jugendarbeitslosigkeit bei. Das Erfolgsmodell Lehre muss daher ständig weiterentwickelt und unterstützt werden. Es ist ein unverzichtbares Instrument, um Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und sozialen Zusammenhalt im Land langfristig zu stärken.

Projektantrag Chancenreichstes Land für Kinder

Ziel ist es, eine ganzheitliche und nahtlose Unterstützung von Lehrlingen und Betrieben zu schaffen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen in der Lehrlingsausbildung vor zunehmenden Herausforderungen. Die Unterstützung insbesondere von kleinen Unternehmen in der Ausbildungsplanung ist dabei ein wesentlicher Aspekt einer erfolgreichen und qualitativen Lehrlingsausbildung. Darüber hinaus gibt es Themen wie z. B. schulische Defizite, familiäre Konflikte, psychische Belastungen mit denen AusbildnerInnen und KU zunehmend überfordert sind und in vielen Betrieben die notwendigen Ressourcen fehlen. Die Erfahrungen aus der Arbeit mit Lehrlingen sowie Ausbildungsunternehmen zeigen, dass Jugendliche in der Lehre nicht nur fachlich, sondern auch sozial begleitet werden müssen, um ihre Ausbildung erfolgreich abschließen zu können. Diese Belastungen gefährden häufig den Ausbildungserfolg und können zu Lehrabbrüchen führen. Um hier gegenzusteuern und Betriebe zu entlasten, soll im Sinne der Prävention das Projekt frühzeitig breite Unterstützung anbieten.

 

Vorarlberg geht vor.