„Vorarlberg hat in den vergangenen Jahren viel getan und investiert, um sich auf die Folgen des sich verändernden Klimas und auf Extremwetterereignisse vorzubereiten. Vieles davon hat sich in diesem Sommer bewährt. Gleichzeitig haben die langanhaltende Trockenperiode, die außergewöhnlich hohen Temperaturen, das historische Niederschlagsdefizit und die damit verbundenen Belastungen für Mensch und Umwelt deutlich gezeigt, wo weitere Schritte notwendig sind. Deshalb werden die Erfahrungen aus dem Hitzesommer 2026 in allen betroffenen Bereichen – von Energie und Klimaschutz über Wasserwirtschaft, Naturschutz, Katastrophenschutz, Gesundheit und Bildung bis hin zu Land- und Forstwirtschaft, Raumplanung sowie Straßenbau und Hochbau – genau analysiert und in die weitere Arbeit einfließen“, betonen Landeshauptmann Markus Wallner und Landesrat Christian Gantner. „Den Sommer 2026 verstehen wir als klaren Auftrag: Bewährtes ausbauen, Erfahrungen nutzen und die Vorsorge weiter stärken.“
„Der Sommer 2026 ist weder an den Menschen noch an den Gemeinden und Städten, dem Land oder dem Bund spurlos vorbeigegangen. Zugleich hat sich gezeigt, wie wichtig vorausschauende Investitionen und eine gute Zusammenarbeit im Land sind. Besonders deutlich wurde das in diesem Sommer bei der öffentlichen Wasserversorgung: Trotz Mindestquellschüttungen konnte der Wasserbedarf in allen Gemeinden gedeckt werden. Die Verbundleitungen und zweiten Standbeine, die in den vergangenen Jahren geschaffen wurden, haben sich bewährt. Auch in anderen Bereichen konnten wir auf bestehende Strategien, funktionierende Strukturen und rasch verfügbare Hilfsmaßnahmen und Einsatzkräfte zurückgreifen. Darauf bauen wir auf“, betont Landeshauptmann Markus Wallner.
„Wir übersehen dabei aber nicht, wie stark die langanhaltende Trockenheit und die außergewöhnlich hohen Temperaturen viele Menschen, Tiere und die Natur unter Druck gesetzt haben. In der Landwirtschaft kam es regional zu geringeren Futtererträgen sowie zu Ertrags- und Qualitätseinbußen. Auf den Alpen wurde die Versorgung der Tiere mit Wasser und Futter teilweise zu einer großen Herausforderung. Unsere Wälder zeigten deutliche Zeichen von Trockenstress, Fische gerieten durch hohe Wassertemperaturen und Niedrigwasser unter Druck. Besonders ältere und gesundheitlich belastete Menschen, Kinder sowie Beschäftigte im Freien waren der Hitze ausgesetzt“, unterstreicht Landesrat Christian Gantner. „Diese Auswirkungen nehmen wir ernst und leiten daraus konkrete Schritte für die weitere Vorsorge ab.“
„Ein widerstandsfähiges Land zeichnet sich nicht dadurch aus, dass Belastungen spurlos an ihm vorübergehen. Entscheidend ist, ob die Versorgung auch unter schwierigen Bedingungen funktioniert, ob im Anlassfall rasch geholfen werden kann und ob aus den Erfahrungen die richtigen Schlüsse gezogen werden“, so Landeshauptmann Wallner. „Vorarlberg verfügt insgesamt über eine gute Ausgangslage. Dazu haben die Weitsicht der vergangenen Jahre und Jahrzehnte sowie die vorausschauenden Investitionen wesentlich beigetragen. Jetzt geht es darum, diese weiter zu stärken und gezielt dort nachzuschärfen, wo uns der Sommer zusätzlichen Handlungsbedarf aufgezeigt hat.“
Die Erfahrungen des Sommers werden deshalb in allen betroffenen Bereichen ausgewertet. Im Mittelpunkt stehen dabei
Drei Schwerpunkte für die weitere Vorsorge:
1. Wasser sichern
„Unser erster Blick gilt dem Wasser. Eine sichere öffentliche Wasserversorgung gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Daseinsvorsorge. Gleichzeitig müssen wir unsere Gewässer als empfindliche Lebensräume schützen und mit den vorhandenen Wasserressourcen verantwortungsvoll umgehen“, so Landesrat Christian Gantner.
Die Investitionen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte haben die öffentliche Wasserversorgung in Vorarlberg wesentlich gestärkt. Seit 2009 ist der Anteil der Wasserversorgungsanlagen mit einem zweiten Standbein oder einer Verbundleitung von 30 auf mehr als 60 Prozent gestiegen. Bezogen auf die Bevölkerung werden nur mehr rund vier Prozent von einem Versorger ohne zweites Standbein bedient. Allein in den vergangenen fünf Jahren investierten Gemeinden und Wassergenossenschaften mehr als 105 Millionen Euro in die Absicherung der Trinkwasserversorgung, seit 1965 insgesamt 550 Millionen Euro. Dass der Wasserbedarf trotz Mindestquellschüttungen in allen Gemeinden gedeckt werden konnte, bestätigt diesen Weg. Der Ausbau wird deshalb konsequent fortgeführt. Gleichzeitig werden kleine, abflussschwache Gewässer durch Beschattung und strukturelle Aufwertung gestärkt und zusätzliche Entnahmen in Trockenzeiten weiterhin sehr restriktiv beurteilt. Das Hochwasserschutzprojekt und europaweit größte Renaturierungsprojekt Rhesi ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahrzehnte und eine umfassende Investition in die Sicherheit und Zukunft des Lebensraums Rheintal. Der Baustart ist derzeit für etwa 2030 vorgesehen. Die Bauzeit wird rund 20 Jahre betragen. Mit der Einreichung des Projekts zum Behördenverfahren ist ein entscheidender Meilenstein für die Zukunft des Rheintals erreicht.
2. Land- und Forstwirtschaft klimafit weiterentwickeln
Hitze und Trockenheit haben insbesondere diesen Sommer viele landwirtschaftliche Familienbetriebe erheblich gefordert. Im Grünland gingen die Futtererträge zurück, auf den Alpen wurde die Versorgung der Tiere mit Wasser und Futter teilweise zur großen Herausforderung. Im Acker-, Obst- und Gemüsebau kam es regional zu Ertrags- und Qualitätseinbußen. Mit dem Dürrepaket 2026 unterstützte das Land unter anderem Wasserversorgungsflüge auf Alpen, verstärkte Beratungsangebote und Erleichterungen beim Futterzukauf. Diese kurzfristige Hilfe wird durch langfristige Investitionen ergänzt. Dazu gehören die Wasserversorgung und Wasserspeicherung auf Betrieben und Alpen, eine effiziente Bewässerung, klimaangepasste Stallungen und Wirtschaftsgebäude, gesunde und wasserspeicherfähige Böden sowie die betriebliche Risikovorsorge. Ebenso wichtig sind standortangepasste Nutzpflanzen und widerstandsfähige Sorten sowie Schulungs- und Beratungsangebote zur Klimawandelanpassung. Auch der Wald ist von zunehmenden Hitze- und Trockenperioden betroffen. Zugleich ist er ein wichtiger Verbündeter im Umwelt- und Naturschutz und bei der Klimawandelanpassung: Er bindet Kohlenstoff, wirkt kühlend, schützt den Boden und trägt zum Wasserrückhalt bei. Mit der Waldstrategie 2030+, der Dynamischen Waldtypisierung, trockenheitsresilienteren Baumarten, angepasstem Saatgut und der Waldbrandsensorik wird seine widerstandsfähige Entwicklung weiter unterstützt.
„Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen sowohl rasche Unterstützung in schwierigen Situationen als auch verlässliche Rahmenbedingungen für die langfristige Anpassung ihrer Betriebe. Dasselbe gilt für unsere Wälder, die selbst unter Hitze und Trockenheit leiden und zugleich wichtige Funktionen für Wasserhaushalt, Schutz und Kühlung erfüllen. Deshalb verbinden wir unmittelbare Hilfe mit gezielten Investitionen und einer langfristigen Weiterentwicklung einer klimafitten Land- und Forstwirtschaft“, so Landesrat Gantner.
3. Vorarlberg hitzefester machen
Hohe Temperaturen betreffen viele Lebens- und Arbeitsbereiche gleichzeitig. Besonders belastet sind ältere und gesundheitlich beeinträchtigte Menschen, Kinder sowie Beschäftigte im Freien. Mit dem Hitzeschutzplan, Checklisten, Informationsangeboten und Schulungen bestehen bereits wichtige Grundlagen. Darauf aufbauend soll ab Herbst 2026 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe für die Hitzewarnstufe 4 klare Abläufe, Zuständigkeiten und Sofortmaßnahmen erarbeiten. Auch intakte Ökosysteme leisten einen wichtigen Beitrag zur Vorsorge: Moore und Feuchtlebensräume halten Wasser in der Landschaft zurück. Bäume und Gehölze sorgen für Beschattung und tragen durch Verdunstung zu einem ausgeglicheneren Mikroklima bei. Ergänzend sollen Begrünung, Entsiegelung und Beschattung künftig stärker in die Planung von Siedlungsräumen und Radverbindungen einfließen. Im Straßenbau stehen hitzebeständigere Beläge und an Hitzetage angepasste Arbeitsabläufe im Mittelpunkt.
„Vorarlberg hitzefester zu machen ist keine Aufgabe eines einzelnen Ressorts. Vorsorge ist eine gemeinsame Aufgabe. Es geht um Gesundheit, um Schulen und Arbeitsplätze, um Gebäude, Ortszentren, die Natur und unsere Infrastruktur. Als Land setzen wir den Rahmen, geben eine gemeinsame Richtung vor, investieren und unterstützen. Entscheidend ist hier die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Städten, den Betrieben, den Einrichtungen, den Fachleuten, vor allem aber mit den Menschen vor Ort. So wird aus den Erfahrungen dieses Sommers konkrete Vorsorge und eine ‚Agenda Hitzesommer‘“, betont Landeshauptmann Markus Wallner.