Mit der neuen EU‑Agenda für Städte legt die Europäische Kommission einen Rahmen vor, der die Rolle der Städte in Europa stärken soll. Aus Sicht der Klein- und Mittelstädte bleibt jedoch entscheidend, dass Europa noch spürbarer in den kleineren urbanen Zentren ankommt – dort, wo ein Großteil der Menschen lebt, arbeitet und seinen Alltag gestaltet.
„Die EU‑Agenda für Städte ist ein wichtiger Schritt – aber sie darf nicht an den Schreibtischen großer Verwaltungen hängen bleiben“, betont Bundesrat Christoph Thoma im gestrigen Dialog mit EU-Vizekommissionspräsident Raffaele Fitto aus Italien. „Klein- und Mittelstädte brauchen einfache Zugänge zu Europa, weniger Bürokratie und Angebote, die auf ihre Realität zugeschnitten sind. Wenn wir wollen, dass die Menschen Europa positiv erleben, dann muss Europa gerade in den kleineren Städten im Alltag sichtbar werden.“ Denn Klein- und Mittelstädte tragen wesentlich zur regionalen Wertschöpfung, zur Daseinsvorsorge und zum sozialen Zusammenhalt bei. Gleichzeitig verfügen sie oft über deutlich geringere personelle und finanzielle Ressourcen als Metropolen. Komplexe EU‑Programme oder aufwendige Antragsverfahren sind für viele Verwaltungen kaum zu stemmen – gute Ideen scheitern dann nicht am Inhalt, sondern an der Bürokratie.
Aus Sicht der Klein- und Mittelstädte braucht es daher einfache und verständliche Förderwege: weniger Bürokratie, klarere Regeln und niedrigschwellige Formate, damit auch kleinere Verwaltungen EU‑Mittel nutzen können. Ebenso notwendig ist eine gezielte Unterstützung für kleinere Verwaltungen mit maßgeschneiderter Beratung, Hilfe bei der Projektentwicklung und standardisierten „Blueprints“ für Stadtentwicklungsprojekte – von Mobilität über Klimaanpassung bis zur Digitalisierung. Darüber hinaus braucht es eine stärkere Sichtbarkeit der Klein- und Mittelstädte in zentralen EU‑Programmen, insbesondere in der Kohäsionspolitik sowie in Innovations-, Klima- und Energieprogrammen, und zwar nicht nur als Annex zu Metropolenstrategien. Entscheidend sind schließlich konkrete, sichtbare Projekte vor Ort – Investitionen, die die Menschen unmittelbar erleben, etwa in leistbares Wohnen, attraktive Ortskerne, klimafitte Infrastruktur, digitale Bürgerdienste sowie sichere und saubere Mobilität.
„Klein- und Mittelstädte halten Europa im Alltag am Laufen“, schließt Thoma, und weiter: „Hier wird gearbeitet, gewohnt, gegründet, gepflegt und gelernt – genau hier entscheidet sich, ob Europa als Chance wahrgenommen wird. Die neue EU‑Agenda für Städte muss deshalb ganz bewusst in diesen Städten ansetzen und ihnen die Werkzeuge geben, um gute Ideen rasch und sichtbar umzusetzen.“