Empfehlungen der Task Force Tiertransporte liegen vor

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Um Vorschläge und mögliche Maßnahmen zur weiteren Reduktion von Kälbertransporten zu erarbeiten, hat Landesrat Christian Gantner im Frühjahr 2019 eine „Task Force Tiertransporte“ eingerichtet. Diese hat sich mit der Prüfung rechtlicher Möglichkeiten und möglicher Alternativen befasst und nun ihre Empfehlungen vorgelegt. Verschiedenes davon haben die Vorarlberger Landesregierung, die Landwirtschaftskammer sowie diverse Systempartner bereits vor einigen Monaten auf den Weg gebracht. "Durch die Task Force wird bestätigt, dass es sich dabei um wichtige und richtige Maßnahmen zur Reduktion der Kälbertransporte in Vorarlberg handelt und die bisherige Abfertigungspraxis in Vorarlberg gesetzeskonform ist“, sagt Landesrat Gantner. Er bedankt sich bei den Mitgliedern der Task Force unter der Leitung von Univ.-Prof. Susanne Waiblinger für deren wertvollen Einsatz.

Die Task Force war bewusst so zusammengesetzt, dass vielfältige unterschiedliche Perspektiven und fachliche Zugänge repräsentiert waren, und hat während des gesamten Arbeitsprozesses versucht, die in der Öffentlichkeit durchaus emotional geführte Diskussion möglichst sachlich und faktenbasiert zu führen. Trotz der bestehenden Spannungsfelder ist der Ergebnisbericht neutral verfasst. „Mir war es immer wichtig, nicht selbst Mitglied der Task Force zu sein, um eine vollkommen offene Beratung zu gewährleisten, und zugleich das Ergebnis vollumfänglich zu akzeptieren“, betont Landesrat Gantner.

Die Empfehlungen der Task Force Tiertransporte im Überblick

1. Verfolgen der Ergänzung der Tiertransportvorschriften im Hinblick auf eine Auflösung von Sammeltransporten an Sammelstellen auf EU-Ebene
2. Verpflichtende und kontrollierte Kennzeichnung von Lebensmitteln nach ihrer Herkunft auf allen Ebenen
3. Flächendeckende Einführung der Auszeichnung im Rahmen der Initiative „Vorarlberg am Teller“ bei Gemeinschaftsverpflegern und Schulen zur Verwendung regional erzeugter Lebensmittel
4. Langfristige Sicherstellung ausreichender regionaler Schlachtmöglichkeit(en) nach hohen Tierwohl- und Hygiene-Standards
5. Forcierung der Initiative „Vorarlberg am Teller“ auch in der Gastronomie und Unterstützung mit der Schaffung entsprechende Markenprogramme
6. Durchführung von Bewusstseinsbildung und Programmen zur Erhöhung des Anteils an regionalen Lebensmitteln auch in privaten Unternehmens- und Schulkantinen etc.
7. Schaffung von Kapazitäten und Möglichkeiten zur Weitermast von Kälbern zur Rindfleischproduktion in der Region nach hohen Tierwohl-Standards
8. Erhöhung der Tiermarkt-Transparenz, um mehr Kälber zur Mastremonte aus Vorarlberg zu verwenden und regionale Hof-zu-Hof-Transporte zu steigern
9. Ausbau bestehender und Entwicklung neuer Programme für hochwertiges und extensiv produziertes Rundfleisch; Bereitstellung bzw. Schaffung von Beratungs- und Betreuungsinfrastruktur für die Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung
10. Weitere Intensivierung der Beratung und Information der Landwirte über alternative Haltungs- und Produktionsformen, die einen Verbleib der Kälber in Vorarlberg fördern
11. Intensivierung der Information der KonsumentInnen zu Kalb- und Rindfleisch sowie Qualitätsprogrammen
12. Finden von geeigneten Partnern in Gastronomie und sonstiger Außer-Haus-Verpflegung
13. Angebot und Förderung des Tierwohl-Monitorings auf Tierhaltungsbetrieben als Beratungstool
14. Berücksichtigung von Tierwohlkriterien in den Förderprogrammen
15. Entwicklung von Förderprogrammen für eine tiergerechte, extensivere Tierhaltung; Kombination mit entsprechender Auslobung und Erhebung tierbezogener Indikatoren (Tierwohl-Monitoring)
16. Schaffung eines Beratungsangebots zu alternativer Kälberaufzucht und alternativer Formen der Rinderhaltung
17. Förderung integrierter Milchkuh- und Kälber-/Rindermastbetriebe durch Beratung und Qualitätsprodukteschienen
18. Erprobung und Evaluierung der Zukunftsmodelle im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit

Bereits getroffene Maßnahmen zeigen Wirkung
Die bereits getroffenen Initiativen und Maßnahmen haben einen Rückgang der Kälbertransporte von Vorarlberg in EU-Länder seit dem Frühjahr 2019 um mehr als 22 Prozent ergeben. „Das Land Vorarlberg bzw. die Vorarlberger Veterinärbehörden halten sich in Verantwortung für das Mitgeschöpf Tier an die geltenden Gesetze und Erlässe betreffend Tiertransporte und das Tierwohl. Klar ist aber, dass es sich hierbei um EU- und Bundesvorschriften handelt und dass dem Land Vorarlberg diesbezüglich keine Regelungskompetenz zukommt“, so Gantner. In jenen Fällen, in denen sich ein Abklärungsbedarf mit dem zuständigen Sozialministerium ergeben hat, wird dieser wahrgenommen und in weiterer Folge auf eine entsprechende Klarstellung gedrängt. So werden Tiertransporte von Vorarlberg durch die Vorarlberger Veterinärbehörden nurmehr abgefertigt, wenn die endgültigen Bestimmungsorte in Oberitalien bekannt sind.

Es werden keine Kälber-, Zuchttier- und Schlachttiertransporte von Vorarlberg in Drittländer abgefertigt und die getroffenen Maßnahmen werden aktiv weiterbetrieben: Das gilt insbesondere für die angepassten Leistungsabgeltungen, die Umsetzung des Programms für Ländle Kälber und Fleischrinder bis 32 Monate, den Ausbau des Vollmilch-Kälbermast-Programmes, die Umsetzung der Kampagne „Ländle Kalbsbratwurst mit Gütesiegel“, den Ausbau von Kooperationen mit den Gemeinschaftsverpflegern, Krankenhäusern, dem Militärkommando Vorarlberg und der Gastronomie im Rahmen der Initiative „Vorarlberg am Teller“, die Weiterführung des Schlacht-, Zerlege- und Verarbeitungsbetriebes efef in Hohenems, die Forcierung der Initiative „Weideschlachtung“ und die Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung bei Landwirten, KonsumentInnen, Verarbeitern und Vermarktern zur verstärkten Vermarktung/Verwendung regionaler Lebensmittel.

Weitere Schritte
Weitere Maßnahmen gemäß den Empfehlungen der Task Force, für die bereits konkrete Konzepte vorliegen, sollen im 1. Quartal 2020 gestartet bzw. umgesetzt werden, etwa das Programm „Weide- und Alprind“, kündigt Landesrat Gantner an. Zusätzliche Punkte, die sich aus den Empfehlungen der Task Force ergeben, werden mit Festlegung eines zeitlichen Horizonts Anfang 2020 mit den Systempartnern ausgearbeitet und gemeinsam mit den Landwirtschaftssprechern der Landtagsparteien erörtert werden. Dazu zählen insbesondere die Initiative "Fleisch.Qualität.Vorarlberg.“ und das Regionale Schlacht- und Zerlegezentrum.

Sehr schade findet es Landesrat Gantner, dass der VGT – trotz Teilnahme seines Vertreters an allen Sitzung der Task Force – am nunmehrigen Ende von deren Arbeit seinen Ausstieg bekannt gegeben hat, weil er sich mit dem Ergebnis des Endberichts nicht identifizieren kann. Trotzdem sehe ich die Tierschutzbelange ausreichend berücksichtigt insbesondere durch die sehr hohe Fachkompetenz der Task Force-Leiterin Frau Univ.-Prof. Susanne Waiblinger als international anerkannte Fachprofessorin für Tierschutz, die Einbindung der Tierschutzombudsstelle in die Arbeit der Task Force sowie die Stellungnahme der Tierschutzombudsfrau Frau Karin Keckeis mit ihrem Fachwissen zum Thema Tierschutz und ihrer breiten Erfahrung sowohl im wissenschaftlichen Bereich als auch in der praktischen Umsetzung im Rahmen der Erstellung des Endberichtes der Task Force.

Foto: (c) Daniel Mauche

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