Aktuelle Lage für Langzeitarbeitslose erfordert starke Impulse

Knapp jede fünfte arbeitssuchende Person in Vorarlberg ist derzeit länger als ein Jahr beim AMS als arbeitslos gemeldet und gilt somit als langzeitbeschäftigungslos. Die Corona-Pandemie verschärft die Lage weiter, weshalb der Verband arbeit plus, das Land Vorarlberg und das AMS noch enger zusammenarbeiten wollen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am 18. Februar 2021 in Altach stellten sie ihre Strategien zur Bekämpfung der Langzeitbeschäftigungslosigkeit vor.

Mit Stand Ende Jänner 2021 waren knapp 16.000 Menschen beim Arbeitsmarktservice (AMS) Vorarlberg als arbeitslos vorgemerkt. Das sind fast 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. 3116 der Vorgemerkten gelten als langzeitbeschäftigungslos – das bedeutet, dass sie bereits seit mehr als einem Jahr beim AMS gemeldet sind. Damit ist knapp jede fünfte arbeitssuchende Person über längere Zeit von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Corona-Pandemie hat die Situation am Arbeitsmarkt für die Betroffenen weiter verschlechtert. Um auf die zunehmend prekäre Situation von Langzeitbeschäftigungslosen hinzuweisen, lud der Verband „arbeit plus Soziale Unternehmen Vorarlberg“ gemeinsam mit den Fördergebern, dem Land Vorarlberg und dem AMS, am 18. Februar 2021 zur Pressekonferenz bei carla in Altach ein.

Ausbau der Arbeitsplätze am 2. Arbeitsmarkt

arbeit plus betonte einmal mehr die Wirksamkeit der öffentlich geförderten Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramme im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit und lädt die Fördergeber ein, diese intensiver zu nutzen: „Gemeinsam mit dem Bund, Land und AMS konnten kurzfristig weitere Beschäftigungsplätze geschaffen werden. Jetzt sind weitere Mittel für die Qualifizierung während der Beschäftigung gefragt, um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Ziel ist es, die zunehmende Anzahl an betroffenen Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten und damit ein Ansteigen der Langzeitbeschäftigungslosigkeit in Vorarlberg einzubremsen: Je länger Menschen ohne Beschäftigung sind, desto schwieriger ist ihr Weg zurück in den Arbeitsmarkt. Durchgreifende Maßnahmen würden zudem den Staatshaushalt bzw. uns Steuerzahlende entlasten. Es ist nämlich auch deutlich günstiger, Menschen eine Chance zu geben und sie in ein sozialversicherungspflichtiges Dienstverhältnis zu übernehmen, als eine langfristige, verfestigte Arbeitslosigkeit“, betont Benedicte Hämmerle, Geschäftsführerin des Verbandes arbeit plus, dessen Mitgliedsbetriebe speziell langzeitarbeitslose Menschen unterstützen.

Historischer Höchststand an Langzeitbeschäftigungslosen

Die AMS-Zahlen belegen, dass Vorarlberg krisenbedingt hinsichtlich Langzeitbeschäftigungslosigkeit auf einen historischen Höchststand zusteuert. Wirtschaftslandesrat Marco Tittler sieht den besten Jobmotor in einer funktionierenden Wirtschaft: „Die bewährten niederschwelligen Beschäftigungs- und Ausbildungsinitiativen im Rahmen der Vorarlberger Joboffensive unterstützen langzeitbeschäftigungslose Menschen beim Wiedereintritt in ein geregeltes Berufsleben. Deshalb haben wir uns klar für deren Fortsetzung und weiteren Ausbau entschieden“, erläutert Wirtschaftslandesrat Marco Tittler.  „Die Zahl der Plätze und der geplanten Eintritte wurden deutlich ausgeweitet und die Mittel um rund 1,3 Mio. Euro erhöht“, so Tittler und unterstreicht: „Es ist unser gemeinsames Ziel, eine Verfestigung von Arbeitslosigkeit zu verhindern.“

Auch AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter sieht angesichts der Corona-Pandemie weiteren Handlungsbedarf. „Dieser aktuellen Entwicklung müssen wir massiv entgegensteuern. Unsere Strategie lautet ‚Bildung schafft Chancen‘. Wir müssen die betroffenen Menschen weiter qualifizieren. Die Beschäftigungsprojekte am sogenannten zweiten Arbeitsmarkt spielen dabei eine wesentliche Rolle“, informiert Bernhard Bereuter. Die sozialen Betriebe bilden PraktikerInnen für den raschen Jobeinstieg aus.

Langzeitbeschäftigungslosigkeit in unserer Mitte

Die intensive, hochwertige Praxisqualifizierung von Personen, die bereits länger ohne Beschäftigung sind, sieht auch Karoline Mätzler, die Leiterin des Fachbereichs Arbeit & Qualifizierung der Caritas Vorarlberg, als wichtigen Hebel gegen die drohende massive Zunahme der Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Sie und ihr Team begleiten täglich viele Menschen, die gerne wieder in einen Beruf einsteigen würden. „Langzeitbeschäftigungslosigkeit ist vielschichtig. Bisher waren überwiegend Ältere, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Frauen mit Betreuungsaufgaben oder Geringqualifizierte betroffen. In der Krise jedoch kommt die Langzeitbeschäftigungslosigkeit in der Mitte der Gesellschaft, im eigenen Umfeld an. Können diese Menschen in Projekten am zweiten Arbeitsmarkt unterkommen, dann lässt sich diese Negativentwicklung stark einbremsen. Die Betroffenen bleiben in Beschäftigung und erhalten ihre Arbeitsfähigkeit. Parallel können sie die Zeit für Qualifizierung und Jobsuche nutzen“, schildert Karoline Mätzler und ergänzt: „Die Sozialen Unternehmen schaffen auch einen gesellschaftlichen Mehrwert. Durch ihr Engagement, etwa in der Kreislaufwirtschaft, unterstützen sie die öffentliche Hand dabei, relevante Zielsetzungen zu erreichen.“

Druck am Arbeitsmarkt nimmt zu

Da immer mehr Arbeitssuchende weniger offene Stellen vorfinden, nimmt der Druck am Arbeitsmarkt kontinuierlich zu. „Menschen, die bereits vor der Krise arbeitslos oder in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen waren, haben es unter den aktuellen Bedingungen noch schwerer, eine existenzsichernde Arbeit zu finden“, betont Benedicte Hämmerle. Viele Betroffene sind neben den Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung auf die Sozialhilfe bzw. Mindestsicherung angewiesen. „Die Verschärfungen treffen sie besonders hart. Deshalb brauchen wir jetzt hochwertige und niederschwellig zugängliche Beratungs-, Qualifizierungs- und besonders auch Jobangebote am geförderten zweiten Arbeitsmarkt – damit diese Menschen möglichst rasch wieder in den regulären Arbeitsmarkt gelangen und dadurch wieder mehr am sozialen Leben teilnehmen können. Bei der Planung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen bringen die Mitglieder des Verbands arbeit plus ihre Expertise gerne ein“, erklärt Benedicte Hämmerle.

Foto: plus/Serra


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