Die Sommermonate nutzen Abgeordnete aller parlamentarischen Ebenen, um das Gespräch mit Einrichtungen und Stakeholdern zu vertiefen. „Nur im persönlichen Gespräch vor Ort lässt sich verstehen, vor welchen Herausforderungen beispielsweise Kultureinrichtungen wirklich stehen“, so Bundesrat Christoph Thoma, der diesen Dialog seit 20 Jahren als Kulturmanager und -politiker führt.
Die Gespräche in diesem Sommer zeigen, wie vielfältig Vorarlbergs Kulturlandschaft ist: von zeitgenössischer Kunst über Programmkino und Forschung bis hin zu jüdischer Geschichte, spiritueller Einkehr und internationalem Jazz. Dabei wurde aber auch deutlich, wo es an verlässlichen Rahmenbedingungen fehlt – eine Erkenntnis, die direkt in die parlamentarische Arbeit der kommenden Monate einfließen soll.
In Klaus hat sich mit der Galerie Brugger seit ihrer Gründung 2024 durch Zeynep und Simeon Brugger ein Ort für regionalen und internationalen künstlerischen Dialog etabliert. Das GUK Kino steht unter dem Motto „Gewöhnlich – Ungewöhnlich – Kontrovers“ und zeigt, wie herausfordernd der Betrieb eines kleinen, kuratierten Programmkinos heute ist. (14.08.)
Ein Beispiel für gelungenen Strukturwandel liefert die inatura: Aus einem ehemaligen Industrieareal ist ein stark frequentiertes Museum mit Stadtgarten entstanden. Neben klassischen Museumsaufgaben – Sammeln, Konservieren, Forschen nach internationalen Standards – versteht sich die inatura als Drehscheibe der naturwissenschaftlichen Forschung in Vorarlberg und nimmt gesetzlich eine Schlüsselrolle in umweltpolitischen Fragen ein. Besonders hervorzuheben ist ihr Anspruch, Forschung als öffentliches Gut zugänglich zu machen und naturkundliche Themen als Erlebnis zu vermitteln. (25.08.)
Historisch und gesellschaftlich von besonderer Bedeutung ist das Jüdische Museum Hohenems mit der neuen Direktorin Dr. Irene Ben Aue-David. In der 1864 erbauten Villa Heimann-Rosenthal erinnert das Museum an die jüdische Gemeinde Hohenems und ihre Beiträge zur Entwicklung Vorarlbergs, erzählt eine exemplarische Geschichte der Diaspora und thematisiert das Ende der Gemeinde durch NS-Zeit, Antisemitismus, Vertreibung und Deportation. Die Dauerausstellung dokumentiert die über drei Jahrhunderte währende Geschichte der Gemeinde und das Leben der Hohenemser Diaspora bis heute – ergänzt durch Sonderausstellungen, ein Veranstaltungsprogramm und eine Kinderausstellung ab sechs Jahren. Damit widmet sich das Haus auch aktuellen Fragen jüdischer Gegenwart, des Zusammenlebens und der Migration. (13.08.)
Ein Zentrum ganz anderer Art ist die Propstei St. Gerold, geleitet von Pater Martin und Nathalie Morscher. Unter dem Motto „leben lieben lernen“ verbindet sie Tradition und Moderne, Glaube und Alltag, Erholung und Inspiration – mit rund 50 eigenen Veranstaltungen, über 140 Gastseminaren und jährlich mehr als 12.000 Übernachtungen. (14.08.)
Internationales Flair bringt die Jazzbühne Lech unter Philipp Waldhart ins Land Vorarlberg. Aus der Leidenschaft von Philip und Laurens Waldhart entstand 2015 der Verein, der bis heute – als gemeinnütziger Verein ganz ohne öffentliche Unterstützung, ausschließlich sponsorenfinanziert – internationale Jazzmusiker:innen in die Lechwelten bringt. Ziel bleibt ein stetiges Wachstum, das Lech zu einem international wahrgenommenen Jazz-Zentrum machen soll. (14.08.)
Beim ersten ALPINE ART SOUNDS verwandelten sich Stationen entlang des Kunstwanderwegs am Muttersberg in eine Bühne für regionale Musiker:innen, Chöre und Ensembles. „Ich konnte die Eröffnung mit Breitbänd bei den Kunstwerken ‚längstentschwunden‘ von Christoph & Markus Getzner (2018) und ‚Serpentinata‘ von Janine Rogen (2025) erleben“, so Thoma. Einmal mehr zeigte sich, dass wir mutige Ideen benötigen, um Kunst und Kultur erlebbar zu machen. (15.08.)
Die Sommertour, die auch zur Alpinale-Preisverleihung, den Opernpremieren der Bregenzer Festspiele, zu den Montafoner Sagenfestspielen und zum Kulturverein allerArt Bludenz führte, zeigt: Vorarlbergs Kulturlandschaft lebt von beeindruckender Vielfalt und gesllschaftlichem Engagement.
Die Sommertour macht aber auch eines deutlich: Kultur- und Bildungsarbeit darf nicht als „Luxusposten“ im Budget behandelt werden, sondern muss als Investition in gesellschaftlichen Zusammenhalt und Standortqualität verstanden werden. Überall zeigt sich, wie viel Engagement vor Ort geleistet wird. Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler sollte die Kürzungen bei den Bregenzer Festspielen daher dringendst hinterfragen. „Es braucht ein klares politisches Bekenntnis zu einer verlässlichen Kulturförderung – das gilt für die großen Bühnen des Landes genauso wie für die kleinen, freien Initiativen, die Vorarlbergs kulturelles Leben tragen“, so Thoma abschließend.
Foto/Mayrhofer: Bundesrat Thoma fordert vom Bund ein klares Bekenntnis zur Förderung der Bregenzer Festspiele.